Die Wahrheit liegt auf dem Rudolfplatz

Oder warum unsere Plätze nicht Fisch und nicht Fleisch sind ..

Im Zusammenhang mit einem Versammlungsraum für die Ehrengarde wird sie wieder diskutiert: Die Frage nach der Qualität des Rudolfplatzes. Und schnell wird einem wieder bewusst: Unsere Plätze erweisen sich als problematisch. Denn einerseits sollen sie sich durch Aufenthaltsqualität auszeichnen und zum Verweilen einladen. Es soll Spaß machen, sich zu treffen, zu quatschen, auszuruhen oder einfach als stille Beobachterin bzw. stiller Beobachter die Stadt an sich vorbeiziehen zu lassen.

Rudolfplatz 01

Auf der anderen Seite haben die Plätze oft auch anderen Nutzungen gerecht zu werden. Gerade die zentralen Plätze der Innenstadt wie der Rudolfplatz, Alter Markt oder Heumarkt gehören zu wichtigen Veranstaltungsorten Kölns.

So schreibt die Verwaltung  beispielsweise zur Aufstellung von Bänken auf dem Alter Markt: „Die Verwaltung hat nach intensiver Prüfung keinen geeigneten Standort für Bänke gefunden. Selbst die Prüfung einer Variante der beschlossenen Bank (eine Sonderanfertigung als Rundbank um zwei der bestehenden Bäume auf dem Alter Markt) brachte kein positives Ergebnis. Aufgrund der für die Feuerwehr freizuhaltenden Flächen der vorhandenen Außengastronomie sowie der Vielzahl an Veranstaltungen (z. B. Weihnachtsmarkt, Karnevalstribünen, CSD), sind keine freien Flächen zur Aufstellung von Sitzbänken vorhanden.“

Die Konsequenz: Diese zentralen Plätze bieten für den Rest (und überwiegenden Teil des Jahres) ein tristes Erscheinungsbild . Sie sind lediglich Freiflächen, die man quert – erfüllen aber keine soziale Funktion, die einen Platz sonst für ein Dorf wie eine Stadt auszeichnet. Sie sind keine Orte der Kommunikation und Interaktion. Dies gilt besonders für den Rudolfplatz.

Mit anderen Worten: Hier stecken wir in einem Dilemma. Unter anderen weil die Plätze wegen der im zentralen Platzkonzept zugelassenen Veranstaltungen befahren und bespielt werden müssen, lassen  sie jedes Flair vermissen. Wo will man sich denn am Rudolfplatz oder Heumarkt außerhalb der Gastronomien am Rande einfach mal hinsetzen?

Deshalb ist es sicher richtig, im Zusammenhang mit dem Neubau auf dem Komplex rund um das „Theater am Rudolfplatz“ auch die Möglichkeiten der Gestaltung und Aufwertung des Rudolfplatzes zu diskutieren. Dabei darf es aber nicht nur um Bodenbeläge und Bordsteinkanten gehen. Die Erfahrungen zeigen: Plätze, die auf ihre Ästhetik reduziert fast schon in den Status der Kunst erhoben werden, funktionieren nicht. Sie sind vielleicht „schön“  oder „ansprechend“, aber oft auch steril, weil sie am Reißbrett entworfen wurden, und laden gerade nicht zum Verweilen ein. Ein warnenden Beispiel ist für mich der L. Fritz-Gruber-Platz, der in seiner sozialen Funktion noch nie richtig funktioniert hat. Deshalb bin ich auch gespannt, wie der Kurt-Hackenberg-Platz nach seiner Gestaltung angenommen wird …

Wichtiger ist aus meiner Sicht, bei einer  Vision – oder sagen wir einfacher: bei Bildern und Vorstellungen anzusetzen, wie das Leben auf dem Rudolfplatz aussehen soll.  Welche Funktionen soll er haben?

Dann wird man beispielsweise feststellen, dass gerade die Ostseite des Platzes durchaus über eine Aufenthaltsqualität verfügt. Bäume bieten Schatten. Durch die Torburg und die Häuserreihen hat diese Platzseite eine gewisse Fassung. Nicht selten sieht man deshalb Leute auf der Ostseite  sogar auf dem Boden sitzen, wenn sie außerhalb der Gastronomien dort verweilen möchten.

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Die Westseite ist dagegen – wenn dort keine Veranstaltung stattfinden – öd und leer.

Vor diesem Hintergrund kann ein Wettbewerb rund um einen Veranstaltungsort für die Ehrengarde Impulse setzen und eine Diskussion und den Rudolfplatz in Gang setzen. Es ist aber zu kurz gesprungen, nur über eine anspruchsvolle und städtebaulich sensible Platzgestaltung zu reden. Mindestens genau so wichtig ist die Wahrnehmung des Platzes als sozialen und lebendigen Ort und eine Diskussion über Möglichkeiten und Grenzen seiner zukünftigen Nutzung.

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